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Aktuelle Situation der Kernenergie

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Bericht von Dr. L. Lindner und Dr. L. Niemann vom 30.01.2006 zum Thema:

    Aktuelle und zukünftige Situation der Kernenergie

Zusammenfassung:
Weltweit sind mehr als 440 Kernkraftwerke (KKW) in Betrieb und eine Vielzahl sind im Bau und in der Planung. Viele Länder haben eine Laufzeitverlängerung beschlossen, darunter auch viele Länder, bei denen ein Ausstiegsbeschluss vorlag bzw. vorliegt, wie z. B. Schweden und praktisch auch Belgien.

Auch Länder, die keine Kernkraftwerke betreiben, wie Österreich und Italien versorgen etwa 50 % ihrer Haushalte mit Kernenergiestrom aus dem Ausland.

Während in Deutschland noch mit unzutreffenden Argumenten gegen die Verlängerung der Laufzeiten der bestehenden Kernkraftwerke von 32 auf 40 Jahre gestritten wird, werden im Ausland Fakten geschaffen:

  • Die USA haben die Laufzeitverlängerung für bisher 39 ihrer 104 KKWs von 40 auf 60 Jahre genehmigt.
  • Kanada hat ein KKW nach umfassender Renovierung wieder in Betrieb genommen, das mehrere Jahre außer Betrieb war. 2003 war dies bereits mit 3 weiteren Blöcken geschehen.
  • In Finnland ist ein 5. KKW eines neuen Typs (“EPR, 3. Generation“) seit Sept. 2005 im Bau, Inbetriebnahme 2009, ein weiteres KKW ist in Planung.
  • Frankreich hat ebenfalls den Bau eines EPR-Reaktors in Flamanville/Normandie beschlossen (Baubeginn 2007, Inbetriebnahme 2012)
  • Die Schweiz hat für ihre KKWs eine unbefristete Betriebsgenehmigung erteilt.
  • In Schweden haben die KKW eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Nach Stillegung von Barsebäck 1 und 2 gibt es keinen Plan mehr für weitere Abschaltungen. Das 1980 vom Parlament beschlossene Ziel bis 2010 aus der Kernenergie auszusteigen wurde bereits 1997 aufgegeben. Die Betreiber streben 60 Jahre Laufzeit an. Nach Meinungsumfragen will die Mehrheit der schwedischen Bevölkerung die Kernkraft beibehalten.
  • Das einzige KKW der Niederlande (Borssele) darf 20 Jahre länger und damit 60 Jahre bis 2033 laufen.
  • In Ungarn sollen laut Parlamentsbeschluss die 4 KKW in Paks für mindestens 20 Jahre weiter in Betrieb bleiben.
  • Belgien: es wurde ein Beschluss gefasst, die KKW nach 40 Betriebsjahren bis 2025 stillzulegen, allerdings mit der Klausel: dass die Versorgungssicherheit nicht gefährdet werden dürfe. Praktisch heißt das: kein Ausstieg.
  • Weitere Laufzeitverlängerungen sind in Tschechien und Großbritannien in der Planung
  • Bulgarien plant die Wiederaufnahme des Baus von zwei 1000-MW-Reaktoren. Der erste Block soll binnen 5 Jahren (bis 2011) am Netz sein.
  • In Rumänien ist ein 2. KKW im Bau.
  • In der Slowakei hat sich die italienische Firma Enel (Käuferin der Mehrheit an Slovenské Elektráme)verpflichtet,, die beiden Blöcke Mochovce 3 und 4 fertig zu bauen.
  • In Litauen befürworten viele Politiker den Neubau eines KKWs.
  • Das “atomfreie“ Estland hat angekündigt, sich über die staatliche Energiegesellschaft Eesti Energia an einem künftigen litauischen KKW-Projekt beteiligen zu wollen
  • In Russland sind 2 KKW im Bau, ca. 15 in der Planung, Gazprom prüft Bau von 40 Atomkraftwerken.
  • In der Ukraine sind 2 KKW im Bau. Sie will bis 2030 11 neue KKWs bauen.
  • In Japan ging am 9. März 2005 das 55. KKW ans Netz, 2 weitere sind im Bau, 5 in Planung.
  • China plant 2-3 KKW pro Jahr bis 2020. (Dadurch steigt die Kapazität von 9.000 auf 40.000 MW),
  • In Taiwan sind 2 KKW im Bau.
  • In Südkorea ist 1 KKW im Bau, 6 sind in der Planung.
  • In Indien sind 8 KKW im Bau
  • Im Iran ist 1 weiteres KKW beschlossen.
  • In Argentinien ist ein KKW im Bau.

Auch die beiden Länder Italien und Österreich, die keine eigenen Kernkraftwerke betreiben, sondern als Folge von Volksabstimmungen die eigenen Kernkraftwerke abgeschaltet bzw. gar nicht in Betrieb genommen haben, beziehen in großem Stil Strom aus Kernkraftwerken.

  • Österreich bezieht eine Strommenge aus Tschechien, die rund 90 % der Stromproduktion von Temelin 1 in Tschechien entspricht. Das sind 750 kWh pro Jahr für jeden der 8,1 Mill. Bürger in Österreich – oder rund 50 % des Stromes bei Bezug auf die Haushalte. Österreich liefert im Rahmen des Stromausschusses aber auch Strom ins Ausland, ist aber im Saldo Stromimporteur.
  • Italien bezieht sogar die Stromproduktion von 6,4 Kernkraftwerken aus dem Ausland. Das sind rund 800 kWh pro Jahr für jeden der 56 Mill. Bürger in Italien - oder rund 50 % des Stromes bei Bezug auf die Haushalte. Italien betreibt und baut zwar keine Kernkraftwerke. Der italienische Energieriese Enel beteiligt sich aber zu 25 % am Bau neuer Druckwasserreaktoren. (Welt 12.05.05)
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Literatur: Bei www.buerger-fuer-technik.de:

    • Die Nutzung der Kernenergie in der Welt.
    • Kurzinfos aus Energie, Wissenschaft und Technik
    • Vortrag Dipl.Phys. v. Alvensleben: “Die Zukunft der Kernenergie“, Jan. 2006 in Freiburg/Br.