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Argumente zum Problem “Endlagerung radioaktiver Abfälle“
   zusammengestellt von Dr. Lutz Niemann, Mai 2009

Allgemeines

Radioaktive Stoffe senden Strahlen aus, die bei extrem starken Quellen mit sehr hoher Dosisleistung gefährlich werden können. Wenn radioaktive Abfälle tief unter der Erdoberfläche gelagert werden, kann diese Gefahr sicher vermieden werden. Daher favorisiert Deutschland die Endlagerung in tiefen geologischen Schichten.

Radioaktive Stoffe sind gerade bei Inkorporation besonders gefährlich, d.h. wenn sie eingeatmet oder verzehrt werden. Damit dieses nicht geschehen kann, werden die stark radioaktiven Abfälle am besten in Glas eingeschmolzen und erst dann tief in der Erde gelagert. Glas ist unlöslich in Wasser und man kann es nicht verspeisen. Und wenn dennoch unlösliche radioaktive Stoffe in den Organismus gelangen würden, werden sie schnell wieder ausgeschieden. Die Wiederaufarbeitung der abgebrannten Brennelemente, die vor dem Einschmelzen in Glas erfolgen muß, wurde nach 1998 durch Rot-Grün verboten. Dabei ist dieses Verfahren sinnvoll, weil dabei das Plutonium abgetrennt wird und für neuen Kernbrennstoff zur Verfügung steht und durch Einsatz im Kernreaktor vernichtet werden kann. Damit reduziert sich die erforderliche Lagerzeit von 1 Mill. Jahre (bei der direkten Endlagerung) auf etwa 10.000 Jahre. Wenn auch noch die Transurane abgetrennt werden, sind 800 bis 1000 Jahre ausreichend.

Die Natur ist voller radioaktiver Stoffe, denn Radioaktivität ist ein Teil der Natur. Die vom Menschen in Kernkraftwerken erzeugte Radioaktivität kann unter Kontrolle gehalten werden und vom Lebensraum der Menschen getrennt gehalten werden. Die Menge der in Kernkraftwerken erzeugten radioaktiven Stoffe und deren Radioaktivität ist gering in Vergleich mit der Radioaktivität in der Natur (s. unten Pkt. 3 und 7).

”Die Endlagerfrage ist nicht gelöst!“ Diese Behauptung ist falsch. Der technische Teil ist mit der Endlagerung in tiefen geologischen Schichten gelöst. Der politische Teil ist in Deutschland noch nicht gelöst. Und der wird wohl noch lange ungelöst bleiben, denn:

Als es 1990 zur Rot-Grünen Regierung in Niedersachsen unter Ministerpräsident Schröder kam, wurde im Koalitionsvertrag festgelegt „eine Gesamtstrategie zu verfolgen, um über eine Blockade der Errichtung von Endlagern den Ausstieg aus der Kernenergie zu erzwingen.“ An diese Vereinbarung haben sich seither alle Rot-Grünen Regierungen gehalten. Zudem wurde durch Bundesgesetz in 2000 die Forschung zur Endlagerung verboten (wobei das Wort „verboten“ vermieden, und durch die harmloser klingende Bezeichnung „Moratorium“ ersetzt wurde).

Es steht in Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vom 11.11.2005 auf Seite 41 ab Zeile 2034 geschrieben: ”CDU, CSU und SPD bekennen sich zur nationalen Verantwortung für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle und gehen die Lösung dieser Frage zügig und ergebnisorientiert an. Wir beabsichtigen in dieser Legislaturperiode zu einer Lösung zu kommen.“

Der derzeit verantwortliche SPD-Minister Gabriel tut nichts, weil mit der Behauptung ”Endlagerfrage nicht gelöst“ bewusst und gezielt Verunsicherung in der Bevölkerung geschürt werden kann. Bei gelöster Endlagerfrage wäre die Zustimmung zur Kernenergie in Deutschland bei 60 -70 %, statt bisher bei gut 50 %. Es wäre Aufgabe der Kanzlerin, für ein Fortkommen in dieser Frage zu sorgen. In den vergangenen 3 ½ Jahren ist noch nichts dergleichen geschehen. Auch die Kanzlerin scheint aus Gründen des Koalitionsfriedens derzeit kein Interesse an der Lösung der Frage zu haben.

Diejenigen, die die ungelöste Endlagerfrage beklagen, verhindern absichtlich durch ihre Untätigkeit deren Lösung, um weiterhin die Endlagerfrage als Argument gegen die Kernkraft benutzen zu können.

Spezielles

1. Das Oklo-Phänomen

  • Nicht nur der Mensch baut Kernreaktoren, auch die Natur hat Kernreaktoren auf der Erde geschaffen. In Oklo (Gabun / Afrika) hat es vor rund 2 Milliarden Jahren mehrere natürliche Kernreaktoren gegeben, die durch das normale überall vorhandene Grundwasser moderiert worden sind. Die radioaktiven Abfälle verblieben an Ort und Stelle, obwohl keine Barrieren vorhanden waren. Sie sind in 2 Milliarden Jahren nur um wenige Meter vom Ort ihrer Entstehung fort gewandert. Weder die Natur noch Lebewesen haben Schaden erlitten.

2. Vergleich: Abfälle vom Kernkraftwerk – Abfälle vom Kohlekraftwerk

Kernkraftwerk

Ein Kernkraftwerk der in Deutschland üblichen Größe erzeugt in einem Jahr 1,1 Tonne Abfallstoffe. Diese liegen in fester Form vor und können vollständig von der Biosphäre getrennt gehalten werden. Zur Endlagerung werden diese Stoffe in Glas eingeschmolzen (siehe oben), mit Edelstahl umhüllt und 1000 Meter unter der Erdoberfläche in Steinsalz gelagert. Das Leben auf der Erde wird dadurch nicht beeinträchtigt.

 

Kohlekraftwerk

In einem Kohlekraftwerk gleicher Stromerzeugung entstehen in einem Jahr 11 000 000 Tonnen Kohlendioxid. Dieses ist ein Gas und entweicht beim Verbrennungsprozess immer in die Luft; dort wird das CO2 „endgelagert“. Die Folgen sind: Zunehmender Treibhauseffekt mit Erwärmung der Erde um 1 bis 5°C in 100 Jahren, Klimawandel in vielen Gegenden und Zunahme von Naturkatastrophen, die heute pro Jahr ca. 20 000 Todesopfer in armen Ländern zur Folge haben (s. Münchner Rück).

3. Vergleich: Radioaktive Abfälle aus Kernkraftwerken – natürliche Radioaktivität

  • Die Radioaktivität aus den Abfällen aller Kernkraftwerke der ganzen Welt zusammen beträgt nach einer Abklingzeit von 500 Jahren nach Angabe von Prof. Jaworowski ca. 10 18 Becquerel. Dieses ist soviel wie die natürliche Aktivität in dem Gestein von 300 km³ der Erdkruste.

”Die bis heute angefallenen Abfälle aus allen Kernkraftwerken Deutschlands sind nach 1Million Jahren (s. Pkt.5) auf die Aktivität von 4*1015 Becquerel abgeklungen (siehe oben), das ist die natürliche Aktivität von etwa 1 km³ Urgestein (wie zum Beispiel des Olperes im Zillertal).“

Ein km³ Erdkruste hat die Radioaktivität von 5 * 1015 Bq, die gesamte Kruste der Erde hat eine Radioaktivität von 3 * 1024 Bq (bei 1km Dicke) oder 4 * 1025 Bq bei (15km Dicke).

Die Radioaktivität in dem Reaktor eines großen Kernkraftwerkes beträgt im Betrieb ca. 1021 Bq. Wird das Kraftwerk abgeschalten, so finden keine Kernspaltungen im Reaktor mehr statt und die Radioaktivität fällt entsprechend den Abklingkurven ab. Nach 1 Jahr sind es noch 1019 Bq, nach 10 Jahren 1018 Bq, nach 500 Jahren 5 * 1015 Bq.
Deutschland hat 3 Endlager für schwach- und mittelaktive Abfälle, die „Asse“ und „Morsleben“ und demnächst „Konrad“. In den Endlagern Asse und Morsleben ist die Einlagerung von Abfällen beendet worden. In der „Asse“ lagern 3 * 1015 Becquerel in 125 000 Fässern in einer Tiefe von 500 bis 800 Meter.
Durch das radioaktive Edelgas Radon
, das in der Erde aus natürlichem Ursprung als Folgeprodukt des Urans gebildet wird, dann aus dem Boden austritt und sich in der Luft verteilt, werden pro Jahr 3 * 1019 Bq in die Luft freigesetzt.

4. Endlagerung toxischer Chemikalien in Untertagedeponien

Es gibt in Deutschland 4 Untertage-Deponien für chemisch-toxische Abfälle, in denen pro Jahr gut 100 000 Tonnen eingelagert werden. Diese Abfälle haben im Gegensatz zur Radioaktivität die Halbwertszeit „unendlich“! Auch ist die „Giftigkeit“ dieser Stoffe oft viel größer als diejenige der Radioaktivität. Die Deponie in Herfa-Neurode ist seit 30 Jahren in Betrieb und hat schon 2 Millionen Tonnen Abfälle eingelagert, auch Abfälle aus dem Ausland (dabei spricht niemand von „Verschiebung“ chemischer Abfälle über Grenzen hinweg).

Warum darf nicht gleiches mit den rund 30 Tonnen pro Jahr in Deutschland anfallenden radioaktivem Abfall aus Kernkraftwerken gemacht werden?

5. Vereinbarung vom 14.6.2000: sog. „Konsenspapier“ zwischen der Rot-Grünen Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen

  • Der Salzstock von Gorleben wird für die Endlagerung bezüglich seiner Funktion als Barriere als „positiv bestätigt“. In einer Vielzahl von Fachgesprächen mit Bürgerbeteiligung war immer wieder das Ergebnis: nach den bisherigen Erkenntnissen ist Gorleben als Endlager geeignet. Es heißt dort weiter: „In sehr langen Zeithorizonten (größenordnungsmäßig 1 Million Jahre) ist nicht mit Gefährdungen zu rechnen.“

Die norddeutschen Steinsalzlager wurden vor 240 Millionen Jahren (im Perm) gebildet. Die Braunkohlelager (Köln, Lausitz, Mitteldeutschland) sind 20 Mill. Jahre alt, damals war Meer über den Steinsalzlagerstätten, was das Salz nicht beeinträchtigt hat, auch nicht die Steinsalzlager ASSE, Morsleben und Gorleben. Die ideologisch bedingten Zweifel von Rot-Grün an Gorleben sind „geforderte Rückholbarkeit der Abfälle“ (Wiederaufarbeitung! Denn die Abfälle sind wertvolle Rohstoffe) und „Schutz vor unbeabsichtigtem menschlichen Eindringen ins Lager“.

6. Endlagerung radioaktiver Abfälle in andern Ländern

  • Es ist falsch, wenn gesagt wird, es gäbe noch nirgends auf der Welt Endlager. Auch hier ist zur Klärung des Sachverhalts gewissenhaft zu unterscheiden zwischen „nicht wärmeentwickelnden“ und „wärmeentwickelnden“ Abfällen. Es gibt schon viele Endlager auf der Welt für die „nicht wärmeentwickelnden“ Abfälle, viele sind größer als die ASSE und MORSLEBEN. Oft sind diese Endlager im Ausland oberflächennah, das heißt nur bedeckt mit einer geringen Erdschicht. Es gibt in der Tat weltweit noch kein Endlager für „wärmeentwickelnde“ Abfälle. Das hat einen technischen Grund. Die abgebrannten Brennelemente müssen in die Wiederaufarbeitung, um den Abfall von den Wertstoffen zu trennen. Nun ist diese Wiederaufarbeitung in zwei wichtigen Staaten verboten, in den USA durch Carter, in Deutschland durch Rot-Grün. In Deutschland wurden für die abgebrannten Brennelemente neue Zwischenlager bei den Kernkraftwerken gebaut und für 40 Jahre genehmigt. Es ist daher damit zu rechnen, dass 40 Jahre lang nichts geschehen wird.

7. Argumente zum Endlager ASSE für Abfälle ohne Wärmeentwicklung

  •   In der ASSE lagern als wesentliche Abfallmengen je ca. 100 Tonnen Uran und Thorium sowie ca. 10 kg Plutonium, verteilt über 125 000 Fässer. In den Fässern sind die Abfälle wiederum eingegossen in Bitumen oder Beton.
      In dem Deckgebirge von einem halben Kubikkilometer über dem alten Salzbergwerk ist das 100-fache an radioaktiven Stoffen enthalten, nämlich 4000 Tonnen Uran, 12 000 Tonnen Thorium und 3 500 Tonnen Kalium-40, wenn man dafür die mittlere Häufigkeit der Elemente in der Erdkruste ansetzt.

Wenn also in der Diskussion um die Sicherheit eines Endlagers die Hebungsraten des Gebirges genannt werden, um damit den Zeitpunkt bis zum Erreichen des Lagers an der Oberflächen zu erhalten, dann ist bei dieser Betrachtung notwendig, zuvor die 100-fache Radioaktivität im Deckgebirge in der Umwelt zu verteilen, bevor das Endlager selber an der Oberfläche erscheint.

  Es wurden brüchige Stollen und das Eindringen von gesättigter Salzlösung ins Bergwerk beklagt. Diese Dinge stellen keinen Mangel dar, sondern sind ganz normale Erscheinungen, die in jedem Bergwerk auftreten und dort im allgemeinen in viel größerem Umfang. Für die Menschen im Ruhrgebiet ist es eine Alltäglichkeit, dass infolge zusammenbrechender Stollen und nachbrechendem Deckgebirge an der Oberfläche Vertiefungen entstehen, mit weitreichenden Folgen für Bebauung, Landwirtschaft, Infrastruktur, Natur. Im Ruhrgebiet muss mit großem Aufwand ständig Wasser abgepumpt werden, weil sonst viele Städte in den entstehenden Vertiefungen „absaufen“ würden.

  Das in den Medien gezeigte Bild aus der ASSE: „Lader mit abgekippten Fässern“ wurde mit Absicht gewählt, um einen Eindruck von Schlampigkeit zu vermitteln. Das Gegenteil ist richtig, dieses ist die beste Methode der Einlagerung der aktiven Abfälle.

  Die von Gabriel in die Diskussion gebrachten Aktivitäten in der eingedrungenen Sole (Uran und Cs-137) sind ganz normal, sie finden sich in unterschiedlichen Konzentrationen überall auf der Erde.

  Aus der ASSE wurde durch den Kaliabbau etwa so viel Aktivität herausgeholt (einige zehn hoch zwölf Becquerel), wie durch die Endlagerung der Abfälle wieder hinein gebracht wurde (wenn man nur die langlebigen Nuklide betrachtet).

Heute sind die meisten Hohlräume der ASSE mit Abraumsalzen verfüllt, das Bergwerk ist geschlossen.