Google

WWW
buerger-fuer-technik.de
 

Endlagerungsfrage: Schweiz

Home > Kernenergie > Endlagerungsfrage: Schweiz

Die Endlagerungsfrage: Schweiz
von Dr.-Ing. Joachim Hornke, Erpstein, 2009 06

Die Schweiz betreibt 5 Kernkraftwerke. Zwei in Beznau, Mühleberg, Gösgen und Leibstadt. Alle Kernkraftwerke befinden sich an der Aare; Beznau I und II und Leibstadt in unmittelbarer Nähe von Waldshut. Nicht weit davon entfernt liegt das Kraftwerk Gösgen zwischen Aarau und Olten. Das Kernkraftwerk Mühleberg ist in der Nähe von Bern.

Drei Schweizer Kernkraftwerke wurden in den Jahren 1969 bis 1971 in Betrieb genommen. Sie sind also fünf Jahre älter als Biblis A, der in Deutschland auf Grund seines Alters von einschlägigen Kreisen populistisch als “Schrottreaktor“ bezeichnet wird.

Die Schweiz erzeugt 40% ihres Strombedarfs aus Kernenergie. Im Jahre 2003 hat die Schweizer Bevölkerung ein Bekenntnis zur weiteren Nutzung der Atomkraft abgegeben.

Für die Endlagerung von radioaktivem Material wurde 1972 durch die Elektrizitätsgesellschaften, die Kernkraftwerkbetreiber und den Schweizer Bund die “Nagra“ gegründet. Nagra steht für “Nationale Genossenschaft zur Lagerung radioaktiver Abfälle.“

Die Schweiz unterscheidet wie alle Staaten, die Kernenergie nutzen, drei Gruppen von radioaktiven Abfällen: Hochaktive, langlebige mittelaktive und schwach- und mittelaktive Abfälle. Auch die Schweiz will radioaktive Abfälle in geologisch stabile Formationen einlagern, wobei zusätzlich noch technische Barrieren den Austritt von radioaktiven Stoffen in die Biosphäre verhindern sollen. Die natürliche Barriere ist das Wirtsgestein, welches das Lager umgibt. Die technischen Barrieren sind eine Glasmatrix um den Abfall herum, ein 15 cm dicker Stahlbehälter um die Glasmatrix und schließlich der Verschluß des Endlagers durch Bentonit (Ton).

Tonminerale sind nicht nur gegen Wasser, sondern auch gegen tektonische Ereignisse und Temperaturschocks sowie hydrothermale Gase und Flüssigkeiten ein hervorragender Isolator. Eventuelle Klüfte verschließt Ton sehr schnell.

Als Wirtsgestein hat die Nagra die Alpen und den Schweizer Jura wegen mangelnder tektonischer Stabilität ausgeschlossen. Favorisiert wird die sogenannte Opalinustonformation in der Nordschweiz. Es handelt sich um ein toniges Sedimentgestein, dessen Name auf häufige Fossilienfunde des Ammoniten „Leioceras opalinum“ zurückgeht. Diese geologische Formation ist im maritimen Milieu vor 180 Millionen Jahren entstanden. Der Schweizer Bundesrat hat im Jahr 2006 die Fokussierung auf dieses Wirtsgestein allerdings abgelehnt.

Die Suche geht also weiter. Sie ist aber in der Schweiz zielorientiert, anders als in Deutschland.

Die Nagra will um das Jahr 2020 einen konkreten Standortvorschlag machen. Lagerstandorte für schwach- und mittelaktive Standorte sind zur Zeit noch völlig offen.

Bei der Mitbestimmung der Schweizer Bürger wird es ein schwieriger Prozeß werden.