Google

WWW
buerger-fuer-technik.de
 

Gegenargumente zum Artikel ...

Home > Kernenergie > Gegenargumente zum Artikel “Die Realitäten der Atomenergie”

Gegenargumente zum Artikel
“Die Realitäten der Atomenergie“ Jürgen Trittin FAZ 16.07.09 S. 10
 von Dr. Ludwig Lindner vom 18.07.2009

Dieser Artikel ist eine Replik auf den Artikel des Publizisten und Historikers Arnulf Baring “Kernenergie: die Geschichte eines Realitätsverlusts“ in der FAZ vom 2.7.09 S.12.
Trittin schreibt in seiner Einleitung: “Arnulf Baring“ fordert einen neuen Energierealismus. Dazu ist es nötig, sich den Realitäten der Atomenergie auch zu stellen.“

Die von Trittin dargestellten Realitäten der Atomenergie sind in vielen Punkten falsch, unsachlich oder überzogen. Zu den einzelnen Äußerungen von Trittin ist folgende Gegendarstellung erforderlich:

Behauptung 1: Kein Kernkraftwerk ist vor einem Super-GAU sicher. Trittin hat sich offenbar nicht ausreichend mit den Mehrfachabsicherungen der deutschen Kernkraftwerke befasst. Der häufig geäußerte Hinweis auf Tschernobyl zieht bei deutschen Kernkraftwerken nicht. In Tschernobyl wurde ein unzulässiger Versuch mit massiver Abschaltung von Sicherheitseinrichtungen durchgeführt. Die ursprünglich zur Erzeugung von Waffenplutonium gebauten Reaktoren vom Tschernobyltyp hätten in Deutschland nie eine Genehmigung erhalten.

Behauptung 2 : Fast nirgends ist die Entsorgung gelöst. In Deutschland könnte dies längst erledigt sein, wenn Trittin und dann Gabriel die Weitererkundung von Gorleben nicht seit 9 Jahren sabotiert hätten. In der Vereinbarung vom 14.06.2000 steht, dass bisher nichts gegen die Eignung von Gorleben spricht. Das hat die Rot-Grüne-Bundesregierung mit dem damaligen Umweltminister Trittin unterschrieben. Die ganze Welt beneidet uns um unsere Salzstöcke.

Behauptung 3 : Der Ausbau erneuerbarer Energien kommt viel schneller voran als gedacht:
Möglich macht es das von Trittin unter Rot-Grün durchgesetzte Erneuerbare Energie-Gesetz (EEG). Die unwirtschaftlichen Stromvergütungen für Wind- und Solarstrom bezahlen wir als Bürger
über den Strompreis. Das ist eine massive Subvention. Mit solchen Subventionen könnte man auch Ananas am Nordpol anbauen. Auch Ex-Bundes-Wirtschaftsminister Müller hatte schon 2001 diese überzogenen Subventionen beklagt.

Behauptung 4: Neue Atomkraftwerke sind unwirtschaftlich. Gegenüber Wind- und Solarstrom sind die AKWs allemal wirtschaftlich. Können die Finnen, Franzosen, Engländer, Russen, Chinesen, Inder und andere Nationen nicht rechnen oder sind sie zu dumm? Sie alle wollen neue Kernkraftwerke bauen:
Schweiz, Italien, Ungarn, Türkei, selbst das OPEC-Land Venezuela.

Behauptung 5: Die Mehrheit der Bevölkerung, darunter viele Wähler von CDU/CSU lehnen die Kernenergie ab oder will sie höchstens noch übergangsweise dulden: die Umfragen über viele Jahre haben immer wieder gezeigt, dass eine Mehrheit von etwa 60 % den Weiterbetrieb der deutschen Kernkraftwerke will. Einige Tausend Grüne und die Berufsprotestierer von Greenpeace, die sich öffentlichkeitswirksam in den Medien präsentieren, geben ein falsches Bild über die tatsächlichen Verhältnisse.

Behauptung 6: Die Bundesregierung veranschlagt die bisher geflossenen direkten und indirekten staatlichen Subventionen für die Atomwirtschaft auf gut 30 Mrd. €. Jede neue Technologie braucht Anschubfinanzierung. In den vergangenen 8 Jahren sind fast 22 Mrd. € in die Solarstromerzeugung geflossen und rund 30 Mrd.€ in die Förderung der Windenergie.
Während jetzt mit der Kernkraft echtes Geld verdient wird, werden die erneuerbaren Energien, insbesondere Solar- und Windstrom laufend weiter subventioniert mit dem Geld der Stromverbraucher. Und das obwohl die Techniken bewährt sind.

Behauptung 7: Die ältesten laufenden Atomkraftwerke kommen im Laufe ihres Betriebes jedes für sich auf 400 Störfälle. Das sind nach der Internationalen INES-Skala meldepflichtige Ereignisse, aber keine Störfälle. Alle kleinsten Vorfälle müssen gemeldet werden, wie z. B. der Ausfall einer Pumpe.

Behauptung 8: Die EVUs haben die Vereinbarung zum Atomausstieg nicht in einer Art Blackout, sondern auf Basis einer nüchternen Kalkulation unterschrieben. Falsch! Das war damals fast eine Erpressung der Rot-Grünen Bundesregierung, mit Unterstützung der Chaoten von der Straße. Die EVUs erwarteten damals mit der Zustimmung zum Atomausstieg eine Beruhigung der Situation.

Behauptung 9: die ältesten 7 deutschen Atomkraftwerke sind schlecht ausgerüstet, so dass es bei einem Absturz eines Verkehrsflugzeuges auf das Kraftwerk zu einer Freisetzung von Radioaktivität kommen würde. Wenn das stimmt, dann gilt das erst Recht für die mehr als 100 Atomkraftwerke rundherum um Deutschland. Aber nur in Deutschland wird das Spiel mit der Angst getrieben. Die Reaktorschutzhüllen (sog. Containments) sind für den Absturz von Militärmaschinen ausgelegt.

Behauptung 10: In der EU 27 ist die Zahl der Atomkraftwerke rückläufig. Waren 1988 noch 177 Anlagen in Betrieb, so sind es heute nur noch 145 Anlagen. Diese Aussage ist unseriös und falsch. 1988 gab es die EU 27 noch nicht, damals existierte noch der Ostblock. Dort wurden massiv Kernkraftwerke stillgelegt (auch in der ehemaligen DDR) wegen der zusammengebrochenen Infrastruktur.

Behauptung 11: Deutschland wird zunehmend zum Stromexporteur. 2007 entsprach das der Leistung von 4 Großkraftwerken. Die aus Deutschland 2007 und 2008 exportierten Strommengen von 19 und 22,5 Terawattstunden machen für Trittin Deutschland zum Stromexporteur. Dass es sich dabei nur um ca. 4% der deutschen Stromerzeugung handelt, die in den Vorjahren auch schon in die umgekehrte Richtung flossen, bleibt ungesagt.

Behauptung 12: Statt der vereinbarten 3 Mrd. € wird das neue Kernkraftwerk in Finnland 4,5 Mrd. € kosten. Das ist für die Offshore-Windanlagen ähnlich. Deren Strom wurde zunächst mit Erzeugungskosten von 10 cts/kWh veranschlagt, inzwischen hat die Windstromlobby durchgesetzt, dass die Vergütung 15 cts/kWh betragen muss, um kostendeckend zu sein.

Behauptung 13: Gerade einmal 2,5 % der weltweit genutzten Endenergie stammen aus der Kernspaltung. Da wird mit unzutreffenden Begriffen gerechnet. Die Endenergie beinhaltet auch den Verbrauch an Wärmeenergie und den Kraftstoffverbrauch für den Verkehrssektor. Das ist ein Trittinscher Taschenspielertrick. Man muss hier die Stromproduktion betrachten, diese beträgt weltweit 12 % aus Kernenergie.

Behauptung 14: Schon heute beschäftigt die Erneuerbare Energie Branche 280.000 Menschen. Das ist erfreulich für die Arbeitsplätze bedeutet aber für die Volkswirtschaft eine enorme Subvention. Setzt man nur 20.000 € pro Arbeitsplatz und Jahr an, so sind das rund 5 Mrd. € pro Jahr.
Nach Angaben des RWI wird jeder Arbeitsplatz in der Solarstrom-Industrie mit 153.000,- Euro pro Jahr subventioniert.

Behauptung 15: Die Erneuerbaren Energien kosten die Bevölkerung 1,50 €pro Person und Monat. Das wären 72 € pro Jahr für einen 4-Personen-Haushalt. Diese Zahl ist viel zu niedrig. Für einen 4-Personenhaushalt liegt sie heute bei 500 € pro Jahr mit steigender Tendenz mit weiterem Ausbau des Solarstroms.

Behauptung 16: Die heutige Grundlast – auch dies ist eine entscheidende Neuerung seit 2001 –ist bereits erneuerbar. Der Strom der zuerst eingespeist wird, ist aus erneuerbaren Energien. Dies ist eine falsche und dumme Argumentation. Grundlast heißt: dies ist Strom, der immer verfügbar ist für die Industrie und auch für den privaten Stromverbraucher. Wind- und Solarstrom sind wetterabhängig und nicht kalkulierbar. Die Bürger sind sicher nicht bereit ihren Strombedarf für den Computer, den Küchenherd und die Beleuchtung nach dem Wetter zu gestalten. Den Grundlaststrom in Deutschland liefern Kernkraftwerke und Braunkohlekraftwerke.

Behauptung 17: Die Atomkraft ist längst zur Bremse für den Klimaschutz geworden. Falsch! Die deutschen Kernkraftwerke vermeiden pro Jahr 150 Mill. t CO2, soviel wie der gesamte Kraftfahrzeugverkehr ausstößt.

Behauptung 18: Es wird Zeit, dass wir uns von der Atomenergie als einer altmodischen Nischentechnologie verabschieden. Antwort: Wir brauchen weltweit alle Möglichkeiten zur Energieerzeugung, einschließlich der Kernenergie. In aller Welt werden neue Atomkraftwerke gebaut. Es sind zur Zeit 34 Atomkraftwerke im Bau , ca. 80 in konkreter Planung und mehr als 100 in der Vorplanung. Es wird Zeit , dass Deutschland als hoch industrialisiertes Land den Atomausstieg in den Papierkorb der Geschichte legt, wie es in Schweden erfolgt ist..

Trittin war früher Mitglied des kommunistischen Bundes Westdeutschland. Daher rühren seine ideologisch- dialektischen Argumentationen.

Dr. Ludwig Lindner