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KKW Katastrophe Tschernobyl

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Kernkraftwerk-Katastrophe
“Deutschland ist nicht Tschernobyl”
von news.de-Redakteur Björn Menzel vom 25.04.2009

Vor 23 Jahren hat sich in Tschernobyl eine nukleare Katastrophe ereignet. Ein Forschungszentrum beschäftigt sich mit Störfällen in Kernreaktoren und kann die Frage beantworten, ob eine Tschernobyl-Katastrophe auch in Deutschland droht.

Kernkraftwerke in Deutschland sind nicht mit den Tschernobyl-Reaktoren vergleichbar. Das ist die Meinung von Siegfried Mittag. Er ist Physiker im Dresdner Forschungszentrum (FZD), Institut für Sicherheitsforschung, und untersucht die physikalisch-technischen Vorgänge in Kernreaktoren im Hinblick auf ihre Sicherheit. «Die Katastrophe von Tschernobyl passierte in einem sogenannten RBMK, einem Reaktortyp, der nur in der früheren Sowjetunion entwickelt und gebaut wurde. Der wesentliche Unterschied ist, dass alle 17 deutschen Kernkraftwerke mit Leichtwasser-Reaktoren (LWR) betrieben werden», sagt Mittag.

Nicht ohne Grund sei die große Mehrzahl aller Kernkraftwerke (KKW) weltweit mit Leichtwasser-Reaktoren ausgestattet. «Diese etablierte Technologie genügt sowohl sehr hohen Sicherheitsstandards als auch den Anforderungen der Wirtschaftlichkeit», sagt Mittag. Hunderte von LWR werden bereits seit Jahrzehnten betrieben, laut Mittag ohne negative Auswirkungen auf die Umwelt. Die Mehrbelastung in der Nähe der deutschen KKW liege im Jahresdurchschnitt unter einem Prozent der mittleren natürlichen Radioaktivität im Land.

Es gibt laut Gutachten Gebiete auf der Erde mit einer mehrfach natürlichen höheren Radioaktivität, das heißt , mit um mehrere hundert Prozent höheren Werten. «Ohne nachweisbare negative Auswirkungen auf die dort lebende Bevölkerung», sagt Mittag. Wer behaupte, dass Menschen in der Nähe deutscher KKW gesundheitliche Schäden durch KKW-Radioaktivität erlitten haben, erzähle schlicht und einfach die Unwahrheit. Mittag: «Nicht einmal im weltweit schlimmsten KKW-Störfall in einem Leichtwasser-Reaktor gab es eine gesundheitliche Beeinträchtigung sowie eine relevante Mehrbelastung der Umwelt.» Der Physiker bezieht sich auf den Störfall in Harrisburg in den USA im Jahr 1979.

LWR sind so gebaut, dass eine Erhitzung im Reaktorkern immer automatisch zur Drosselung der Kernspaltung, das heißt zur Abkühlung führt. Dies funktioniert «ganz von selbst», ohne Eingriff der Reaktor-Bedienmannschaft und auch ohne Steuergeräte. Bei Verlust des Kühlwassers bricht die Kettenreaktion der Kernspaltung sofort vollständig zusammen. Diese «innewohnende Sicherheit» ist im Tschernobyl-Reaktortyp nicht permanent gewährleistet. Außerdem war laut Mittag der Abschalt- und Steuermechanismus des RBMK eine fatale Fehlkonstruktion.

Darum ist sich der Physiker sicher: «Eine Reaktorexplosion wie in Tschernobyl ist in einem LWR allein durch die andere Bauweise ausgeschlossen.»