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Kraft-Wärme-Kopplung

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Kraft-Wärme-Kopplung bei Kernkraftwerken
Bericht von Dr. Ludwig Lindner vom 12.02.2007

Die Kraft-Wärme-Kopplung ist beim Kernkraftwerk genauso möglich wie bei fossilen Kraftwerken. Die Nutzung der Abwärme setzt voraus, dass möglichst ein Großverbraucher mit möglichst gleichbleibender Wärmeabnahme vorhanden ist. Die Abwärme kann für die Beheizung von Wohnungen, für die Industrie und auch für Agrarflächen eingesetzt werden.

Bei Industriebetrieben ist ein gleich bleibender Wärmebedarf über das ganze Jahr gegeben.

Die Beheizung von Wohnungen ist besonders in Ländern mit langen Kälteperioden von Interesse. Die Wärmenutzung soll bis zu einer Entfernung von etwa 100 km möglich sein.

In der Vergangenheit hat es zahlreiche Projekte zur Nutzung der Wärme aus Kernkraftwerken gegeben, die jedoch in vielen Fällen wegen des preisgünstigen Heizöls aufgegeben wurden.

 Aus der Umfrage von Kollegen aus der Kernenergiebranche gibt es folgende Beispiele:

  • Der in Deutschland entwickelte Hochtemperatur- (Kugelhaufen-) reaktor ist für die Versorgung von größeren Industriebetrieben mit Strom und Wärme bestens geeignet. Besonders Kernkraftwerke mit Hochtemperaturreaktoren kleiner Leistung sind gut geeignet für die bedarfsgerechte Bereitstellung von Strom und Wärme in Kraft-Wärmekopplung. Nachdem in Deutschland diese Hochtechnologie aus politischen Gründen abgebrochen wurde, wird sie jetzt in Südafrika und China weiterentwickelt.
  • Beim stillgelegten Kernkraftwerk Stade wurde die Abwärme für eine Saline genutzt.
  • Vom ehemaligen Kernkraftwerk Lubmin wurde die Stadt Greifswald mit Fernwärme versorgt.
  • Das alte, stillgelegte Kernkraftwerk Lingen (mit fossilem Überhitzer) belieferte das benachbarte Chemiewerk mit Prozessdampf.
  • Der von Siemens  im Forschungszentrum Karlsruhe gebaute 50 MWe- MZFR  Mehrzweckforschungsreaktor), der von 1966 bis 1984 in Betrieb war, versorgte vom    Winter 1978/79 an das Forschungszentrum mit Heizwärme. Er hat während dieser Zeit 5 Milliarden kWh elektrische Energie erzeugt und 21 Millionen Kubikmeter Erdgas für die Zentrumsheizung eingespart.
  • Im ehemaligen ZFK Rossendorf (Zentralinstitut für Kernforschung Rossendorf der AdW der DDR) wurde ein Teil der Abwärme des 10 MW-Forschungsreaktors (RFR) über einen Wärmetauscher der Gebäudeheizung zugeführt.
  • Ein Reaktor im KKW Philippsburg ist mit einer Fernwärmeschnittstelle ausgerüstet. Bei Inbetriebnahme von KKP-2 sei die Fernwärmeanbindung aber aus politischen Gründen verhindert worden
  • In der Schweiz werden aus den Kernkraftwerken Beznau 1 und 2 das Fernwärmesystem Refuna und aus dem KKW Gösgen und die Kartonfabrik Kani versorgt.
  • Beim Kernkraftwerk Mühleberg (Schweiz) existiert eine Wärmeauskopplung mit einer max. Leistung von ca. 900 kW zur Wärmeversorgung einer Siedlung.
  • In Frankreich versorgt das Kernkraftwerk Tricastin an der Rhone vollständig eine Krokodilfarm mit Wärme, die sich neben dem Kernkraftwerk befindet.
  • Das Kernkraftwerk Temelin versorgt die Stadt Tyn Nad Vitavou (8200Einwohner), die etwa 15 km entfernt ist, mit Wärme.
  • Mit der Abwärme vom KKW Bohunice/Slowakei wird die Stadt Trnava geheizt.
  • Die Stadt Cheleznogorsk, Sibirien und größere Teile von Tomsk, ebenfalls Westsibirien,          werden von Kernwärme geheizt und gleichzeitig mit Strom versorgt. Das war ja gerade das    Problem, weswegen die damit verbundene Plutoniumerzeugung nicht ohne Ersatz- Kohlekraftwerke stillgelegt werden kann. In beiden Fällen liegen Stadt und Kraftwerk viele km  auseinander
  • In Russland Bilibino 1 – 4 (Ostsibirien): RBMK-Bloecke 12 MW elektrisch brutto. Hauptzweck: Heizung, daher die geringe elektr. Leistung. Die Stromerzeugung dient zum Betrieb der Heizungs-Umwälzpumpen. (ATW Januar 2007: Statistik – Kernkraftwerke) Es sind noch nähere Infos erforderlich
  • Die Gesamte Wärme- und Stromversorgung des KKW Kalinin (Russland, nördlich von   Moskau)wird von den 3 Blöcken des KKW übernommen (Retortenstadt, errichtet für die Mitarbeiter des KKW).
  • Im weitesten Sinne ist auch die Verwendung von Kernenergiestrom zum Betrieb von  Wärmepumpen eine Nutzung der Kernkraftwerke zur Wärmebeistellung.

Im Jahr 2005 wurden z. B. in der Schweiz 2200 GWh Wärme in Einfamilienhäusern mit Wärmepumpen aus 700 GWh Strom erzeugt.

Dr. Ludwig Lindner