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Leserbrief  Energieversorgung

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Leserbrief von Dr. Ludwig Lindner an die FAZ vom 30.12.07 zum Thema:
Unrealistische Vorstellungen in der Bevölkerung bei der Energieversorgung

Nach dem Artikel von Prof. Renate Köcher/Institut für Demoskopie Allensbach in der FAZ vom 19.12.07 wurde gefragt: "Wie sollte die Bundesregierung auf die derzeitige Entwicklung der Energiepreise für Strom, Gas und Heizöl reagieren?" sagten 73 % "Erneuerbare Energien wie Windkraft, Sonnenenergie usw. stärker fördern". Dazu erläutert Prof. Köcher: "Die Kosten der staatlichen Subventionierung regenerativer Energien sind der übergroßen Mehrheit nicht bekannt. Die meisten Leute nehmen an, dass regenerative Energien nicht nur dazu beitragen, die Abhängigkeit von anderen Energiequellen zu vermindern, sondern halten sie auch für besonders preiswerte Energieträger. Seit vielen Jahren ist die öffentliche Meinung von einer geradezu romantischen Zuneigung zu regenerativen Energien gekennzeichnet".

Die regenerativen Energien wie Windstrom, Solarstrom und Strom aus Biomasse werden nach dem Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) über den Strompreis bei den Verbrauchern subventioniert. Es lässt sich leicht nachrechnen, dass der Strom aus Windkraft mit etwa 8 cts/kWh, der Solarstrom mit 50 cts/kWh und der Strom aus Biomasse mit etwa 7 cts/kWh subventioniert wird. Im Vergleich dazu ist die Subventionierung der deutschen Steinkohle (25 Mill. t /Jahr)- die über Steuern erfolgt - mit 2,5 cts/kWh geradezu preiswert. Der Strom aus der CO2-freien Kernenergie kostet  nur 2,5 cts/kWh und wird überhaupt nicht subventioniert.

Die Subventionierung der regenerativen Energien führt dazu, dass der Mischpreis für die Stromerzeugung bei etwa 5 cts/kWh liegt (bei den wirtschaftlichen Verfahren wie Strom aus Braunkohle, Kernenergie, Steinkohle, Erdgas und Wasserkraft im Mittel nur bei etwa 3,5 cts/kWh). Der Verbraucher zahlt jedoch rund 21 cts/kWh, davon 7,8 cts/kWh für Netzentgeld und Messung, aber 8,2 cts/kWh für Steuern und Abgaben.

Die Subventionierung der regenerativen Energien kostet die Volkswirtschaft, d. h. bei uns über den Strompreis, etwa 8 Mrd. €/Jahr, bis 2020 hat der frühere Bundeswirtschaftsminister 250 Mrd. bereits im Jahr 2001 errechnen lassen, Zahlen im mehrstelligen Milliardenbereich wurden auch jetzt immer wieder bestätigt.

Was ist für eine realistische Aufklärung der Bevölkerung zu tun? Die Politik, insbesondere der Bundesumweltminister aber auch die Bundeskanzlerin, die Parteien, die Medien, aber auch die Energieversorger müssen realistisch über die notwendige Energieversorgung für den Industriestandort Deutschland informieren. Es ist unverantwortlich, der Bevö¶lkerung vorzugaukeln, dass man unseren Lebensstandard und unsere Arbeitsplätze weitgehend mit dem wetterabhängigen und ungesicherten Strom aus Windkraft und Sonne versorgen könnte. Die internationalen Organisationen, wie z. B. die Internationale Energieagentur (IEA) betonen immer wieder, dass in der Zukunft alle Energieerzeugungsarten genutzt werden müssen, um den steigenden weltweiten Energiebedarf bei der steigenden Weltbevölkerung zu befriedigen.

ludwig_lindner@t-online.de