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Leserbrief Stromausfall

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Stromausfall in Karlsruhe 30.01.2008
Leserbrief von Dr. Willy Marth in Badische Neueste Nachrichten

Die zwei Seiten des Trafos

Viele wissen es noch von der Schule: der Trafo hat zwei “Seiten“, genauer gesagt zwei Wicklungen. Der Strom kommt auf der primären Seite an und wird auf der sekundären in seiner Spannung herauf oder herunter transformiert. Dazwischen befindet sich Öl, und das kommt bei Kurzschlüssen immer wieder mal ins Brennen, was den Trafo zerstört und zu (meist kürzeren) Stromabschaltungen führt.

Daneben hat der Trafo aber auch eine “politische“ Komponente und das kommt auf seinen Standort an. Befindet er sich auf dem Gelände eines Atomkraftwerks, so wird der gleiche Brand dort ganz anders bewertet als in konventionellen Kraftwerken, etwa den Karlsruher Rheinhafenkraftwerken. Dort hat letzte Woche der Brand eines solchen Trafos zu einer ca. eineinhalbstündigen Stromabschaltung im Bereich der Karlsruher Innenstadt geführt. Die Straßenbahn und die Verkehrsampeln fielen aus, das Fernwärmenetz blieb kalt, die Telefone funktionierten nicht, viele Menschen steckten in Fahrstühlen fest etc. etc.

Inzwischen hat sich alles längst wieder beruhigt. Ranghohe Politiker sahen keinen Anlass zu Stellungnahmen; auch die Minister, welche für die Genehmigung und die Aufsicht dieser Kraftwerke zuständig sind, blieben stumm.

Das war ganz anders im Falle des Trafobrands bei den beiden norddeutsche Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel am 28. Juni 2007, also vor etwa 7 Monaten. Dabei war dort die Abtrennung dieses defekten Trafos vom Netz so perfekt, dass es zu keinerlei Ausfällen bei den Stromkunden kam. Und innerhalb von zwei Sekunden fielen die Steuerstäbe in den Reaktorkern und beendeten seine nukleare Kettenreaktion.

Eine unabhängige Expertenkommission untersuchte anschließend diesen Störfall und bewertete ihn mit 0 auf der 7-stufigen internationalen Sicherheitsskala. Das heißt, er hatte keinerlei sicherheitstechnische Bedeutung.

Trotzdem bot dieser Trafobrand dem Berliner Umweltminister Gabriel monatelang Anlass zu schlimmen Beschuldigungen in Richtung der Betreiber. Zwei hochrangige Manager von Vattenfall mussten ihren Sessel räumen und die beiden Kraftwerke Krümmel und Brunsbüttel (mit der doppelten Kapazität der Rheinhafenkraftwerke!) sind bis zum heutigen Tag außer Betrieb.

Und wie wird diese Stromlücke gefüllt? Bei Bedarf kauft der Betreiber Strom aus französischen Atomkraftwerken ein.