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Leserbrief zu Krümmel

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Überzogene Reaktionen in der Atomdebatte

Leserbrief von Dr. Ludwig Lindner, August 2007
Leserbrief zu: Das bekräftigte Atom-Tabu 24.07.2007 in die Welt

Die überzogenen Reaktionen von Politikern und einigen Medien auf die Vorgänge im Kernkraftwerk Krümmel erinnern in fataler Weise an die frühere DDR und seinen Chefagitator Karl-Eduard von Schnitzler, der über Vorgänge im westlichen Deutschland mit überzogenen Darstellungen und Verdrehungen reagierte. In Krümmel hat es einen Trafobrand, eine Reaktorschnellabschaltung, eine zwei Millimeter große Leckage an einem Entlüftungsstutzen gegeben und die Feststellung, dass zum Teil andere Dübel verbaut worden sind als in den Protokollen vermerkt, die aber den Anforderungen entsprechen. Nach der internationalen INES-Skala (International Nuclear Event Scale) wurden die Ereignisse in Krümmel der niedrigsten Kategorie zugeordnet, das heißt, ihnen wurde keine oder nur geringe sicherheitstechnische Bedeutung beigemessen.

Zu kritisieren ist lediglich, dass man nach der Information über Details verzögert reagiert hat. Nach den Reaktionen von einigen Politikern und Medien konnte man dagegen den Eindruck gewinnen, dass Deutschland knapp vor einer nuklearen Katastrophe stand. Dagegen stellte der bekanntermaßen atomkritische Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz in Übereinstimmung mit den sachlichen Fakten fest, dass die Ereignisse in Krümmel “nach bisherigem Kenntnisstand nicht sehr gravierend gewesen sind“.

Dass dafür jetzt zwei Manager bei Vattenfall abtreten mussten, ist eine überzogene Reaktion. Das ist ein hysterisches Ergebnis zur Freude des Ideologen Sigmar Gabriel und seiner “Glaubensbrüder“. Die Entlassung von Bruno Thomauske bedeutet einen Verlust eines anerkannten Fachmannes der Kerntechnik. Und Klaus Rauscher nahm man übel, dass er das Ereignis in Krümmel realistisch und ohne eine ideologische Brille einschätzte. Und sein vorbehaltloses Eintreten für die deutsche Braunkohle (dem einzigen heimischen und wirtschaftlichen Energieträger) sowie seine Skepsis gegenüber der massiven Subvention der erneuerbaren Energien waren manchen Politikern und Lobbyisten ein Dorn im Auge. Schade! Wir brauchen auch kritische Stimmen zu wirtschaftspolitischen Fragen. Jasagerei und Ideologie können für den Industriestandort Deutschland sonst fatale Folgen haben.

http://debatte.welt.de/leserbriefe/94/politik/29743/berzogene+reaktionen+in+der+atomdebatte