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Pro und Contra

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“Pro und Contra“ aus dem Jahre 1979

Das Pro wurde vom damals zuständigen
 Forschungsminister Volker Hauff, SPD,
geschrieben und hat noch heute Gültigkeit.
Allerdings wird es heute von der SPD nicht mehr unterstützt,
heute unterstützt die SPD das Contra gegen die Kernenergie

1. Contra: Wir können auf Kernkraftwerke verzichten, wenn wir genügend Energie sparen.
Pro:
Durch Energieeinsparungsmaßnahmen ist ohne eine Gefährdung von Arbeitsplätzen und des sozialen Versorgungssystems bei den bestehenden Verbrauchs- und Produktionsstrukturen in unserem demokratischen Gesellschaftssystems höchstens langfristig eine spürbare Entlastung für die Energieversorgung zu erwarten.

2. Contra: Wir können auf Kernkraftwerke verzichten, wenn wir den Einsatz der heimischen Kohle noch verstärkt fördern.
Pro: Eine zusätzliche Förderung der Steinkohle würde die einzigen bedeutenden heimischen Energievorräte frühzeitig erschöpfen, die Gefahr von Klimaveränderungen durch die damit verbundene erhöhte Kohlendioxidbelastung der Atmosphäre erheblich steigern und die allgemeinen Energiekosten durch die notwendigen weiteren Subventionen in die Höhe treiben.

3. Contra: Wir können auf Kernkraftwerke verzichten, wenn wir als Treibstoff Methanol anstelle von Benzin verwenden und dadurch mehr Öl für die Heizung und Stromerzeugung zur Verfügung haben.
Pro: Für die Gewinnung von Methanol sind 50 bis 60 Prozent mehr Primärenergie als für die Herstellung von Benzin notwendig und der Einsatz in Verkehrsmitteln erfordert doppelt so große Treibstofftanks.

4. Contra: Wir können auf Kernkraftwerke verzichten, wenn wir die Umweltfreundliche Wasserstoff-Wirtschaft einführen.
Pro: Um selbst in den USA, wo die Wasserstoff-Technologie am fortgeschrittensten ist, eine Wasserstoff-Wirtschaft einzuführen, wären Investitionen notwendig, die das gesamte jährliche Bruttosozialprodukt der USA von rund 2,1 Billionen Dollar übersteigen.

5. Contra: Wir können auf Kernkraftwerke verzichten, wenn wir für Heizung und Warmwasserbereitung die Sonnenenergie einsetzen.
Pro:
Wegen der hohen Investitionskosten von 15 000 bis 25 000 DM für die Solaranlage eines Einfamilienhauses, die nur etwa 15 Jahre betrieben werden kann, hierzulande zusätzlich zu herkömmlichen Heizungsanlagen installiert werden müsste und lediglich bis zu 3000 Liter Heizöl pro Haus und Jahr einspart, wegen Baurechtsbestimmungen und anderer Probleme, die einer Veränderung der bestehenden Infrastruktur entgegenstehen, werden bis zum Jahre 2000 höchstens 8% aller Wohnungen in der Bundesrepublik Deutschland durch Sonnenenergie versorgt werden können.

6. Contra: Wir können auf Kernkraftwerke verzichten, wenn wir genügend Solarkraftwerke bauen.
Pro:
Solarkraftwerke können nur in sonnigen, flachen und dünn besiedelten Regionen optimal arbeiten. Um einen maximalen Wirkungsgrad von höchstens 25% zu erzielen, brauchen sie eine um 75mal größere Fläche und produzieren einen 10mal teureren Strom als ein konventionelles Kraftwerk oder ein Kernkraftwerk.

7. Contra: Wir können auf Kernkraftwerke verzichten, wenn wir die Windenergie richtig nutzen.
Pro:
Um den für das Jahr 1990 möglichen Versorgungsbeitrag der Kernkraftwerke durch die Nutzung der Windenergie aufzubieten, müssten wir mindestens 30 000 Windkraftwerke mit einem jeweils 80 bis 100m hohen Mast und einem Rotor mit etwa gleich großem Durchmesser bauen, was zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, des Rundfunk- und Fernsehempfangs und des Funkverkehrs führen würde und wegen des Speicherproblems andere Kraftwerkskapazitäten dennoch nicht ersetzen könnte.

8. Contra: Wir können auf Kernkraftwerke verzichten, wenn wir die geothermischen Energiequellen ausschöpfen.
Pro:
Die Nutzung der Erdwärme ist nur an den wenigen Orten möglich, wo es in der Bundes-republik Deutschland geothermische Anomalien gibt, wobei es heute noch fraglich ist, ob es gelingt, die dafür notwendigen künstlichen geothermischen Systeme im trockenen heißen Untergrund zu erzeugen.

9. Contra: Wir können auf Kernkraftwerke verzichten, weil die Uran-Ressourcen ebenfalls in einigen Jahrzehnten erschöpft sind.
Pro: Mit bereits realisierten Technologien könne die heute bekannten und für den derzeit praktizierten Betrieb von Leichtwasserreaktoren auf 30 Jahre begrenzten Uranvorräte durch Wiederaufarbeitung mindestens 4mal so lange und durch den Schnellen Brüter sogar 60mal so lange, also rund 1800 Jahre, genutzt werden.

10. Contra: Wir müssen auf die Wiederaufarbeitung und die Schnellbrüter-Technologie verzichten, weil vor allem durch das in diesen Bereichen erzeugte Plutonium die Gefahr eines militärischen Missbrauchs der Kernenergie wächst.
Pro: Für die Herstellung nuklearer Waffen ist weder die Wiederaufarbeitung noch die Schnellbrüter-Technologie von Bedeutung, weil das hier erzeugte Plutonium nicht für die Herstellung von Bomben geeignet ist und sich dort, wo nukleare Ambitionen vorhanden sind, Atomwaffen auf andere Weise billiger und einfacher beschaffen ließen.

11. Contra: Wir müssen auf die Wiederaufarbeitung und die Schnellbrüter-Technologie verzichten, weil die Gefahr eines terroristischen Missbrauchs der Kernenergie zu groß ist.
Pro: Da Terroristen international operieren und prinzipiell in einem Land nukleares Material stehlen und in einem zweiten Land eine Bombe bauen könnten, um ein drittes Land damit zu erpressen, wäre ein Verzicht auf die Wiederaufarbeitung und die Schnellbrüter-Technologie nur dann sinnvoll, wenn sich alle Industriestaaten, in denen ohne Ausnahme diese Technologie gefördert wird, einem solchen Verzicht anschließen würden.

12. Contra: Wir müssen auf die Weiterentwicklung neuer Technologien zur wirtschaftlichen Nutzung der Kernenergie schon allein deshalb verzichten, weil hier Mittel gebunden werden, die dann für die Entwicklung alternativer Energiequellen und Energiekonzepte fehlen.
Pro:
Zu den neuen Technologien in der Kernenergie gibt es für ein Land ohne ausreichende eigene Energierohstoffe keine auch langfristig gleichwertigen realistischen Alternativen, um das Ziel einer größtmöglichen Sicherheit in der Versorgung mit Primärenergie zu erreichen, was aber nicht ausschließt, dass auch alle erfolgversprechenden Entwicklungen und Maßnahmen nichtnuklearer Art mit dem denkbar größtem Einsatz von Forschungs- und Fördermitteln weiter initiiert und unterstützt werden.