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Sicherheit der Kernenergie

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Bericht von Dipl.-Ing. Eckehard Göring vom 25.09.2007 zum Thema: "Sicherheit der Kernenergie"

Sicherheit gegen menschliche Fehlentscheidungen:
Kernkraftwerke sind wie andere Industrieanlagen auch mit Prozess-Leitsystemen ausgerüstet. Diese dienen der Steuerung von Anlagen, sind das Bindeglied zwischen Mensch und Anlage und ermöglichen damit erst die Handhabung komplexer Vorgänge nicht nur in Kernkraftwerken sondern auch in konventionellen Kraftwerken und Chemieanlagen.
Kernreaktoren westeuropäischer Hersteller sind mit Prozess-Leitsystemen ausgestattet, die es der Betriebsmannschaft nicht erlauben, sicherheitsrelevante Betriebseinrichtungen außer Betrieb zu nehmen. Horror-Storry’s von abgeschalteten Sicherheitseinrichtungen in deutschen Kernkraftwerken erfreuen sich zwar in der Presse großer Beliebtheit und dienen den Atomkraftgegner gern als Argumentationshilfe, sind aber trotz ihrer weiten Verbreitung ins Reich der Legenden zu verweisen!
Neben dem eigentlichen Prozessleitsystem (auf Computer-Basis) existieren für sicherheitsrelevante Schaltungen (wie Steuerstab-Schnell-Auslösung) Hart-Verdrahtungen, die von einem Leitsystem auf Analog-Rechner-Basis gesteuert werden. Dieses Leitsystem existiert parallel zum eigentlichen Prozessleitsystem und kommt immer dann automatisch zum Einsatz, wenn Prozess-Parameter, die als sicherheitsrelevant definiert wurden, überschritten werden. Die Betriebsmannschaft in deutschen Kernkraftwerken hat beim Ansprechen dieses Notfall-Leitsystems in den ersten 30 min nach Eintreten des Notfalls keine Möglichkeit, aktiv in den Prozess einzugreifen. Damit wird menschliches Fehlverhalten unter Stress ausgeschlossen. Die automatischen Abschaltparameter werden bei der Entwicklung und stetigen Verbesserung der Reaktorlinien definiert, das Notfallsystem vor In-Betriebnahme der Anlage und während der gesamten Lebensdauer der Anlage harten Test unterzogen, um Verdrahtungsfehler und Alterungserscheinungen auszuschließen. Durch das Mehr-Augen-Prinzip von Hersteller, TÜV, Aufsichtsbehörde und Betreiber lassen sich bewusst eingespielte Fehler (Sabotage) vermeiden.
Auch die bewusste Herbeiführung von kritischen Anlagen-Zuständen durch das Anlagenpersonal selbst ist durch dieses Notfall-Leitsystem ausgeschlossen, da die direkte Verdrahtung (Hart-Verdrahtung) nicht “überlistet“ werden kann.
Versuche an Leistungsreaktoren benötigen in Deutschland die schriftliche Genehmigung der Aufsichtsbehörde und haben damit eine sehr lange Planungszeit.

Terroranschläge und Flugzeugabsturz:
Terroranschläge auf dem Landweg:
Die Schaltwarten aller Kernkraftwerke dieser Welt sind verbunkert, stahlen- und explosionsdruckfest. Man gelangt als Betriebsfremder nicht ohne weiteres in diesen Raum. Beim Einsatz von Waffengewalt, um sich unberechtigt Zutritt zu verschaffen, wird der Reaktor automatisch schnell abgeschaltet.
Auch andere Sabotage-Handlungen werden durch das Notfall-System abgefangen (siehe Pkt. 1: Sicherheit gegen menschliche Fehlentscheidungen)
Terroranschläge aus der Luft: Bezüglich eines möglichen Angriffes mit Flugzeugen auf gefährdete Industrieanlagen müssen Primär-Maßnahmen gegen Terroristen im Flugzeug erfolgen: Verschlossene Cockpit-Türen und Sicherheitspersonal (wie jetzt in den USA-Maschinen, sog. Sky Marshals). Die Israelis tun dies seit 30 Jahren und seit dieser Zeit sind noch keine Terroranschläge in El-Al-Maschinen erfolgt.
Auf den Flughäfen werden Warn- und Signaleinrichtungen installiert und ggf. sogar Militär-Flugzeuge als Abfangjäger eingesetzt, die die entführten Maschinen abdrängen, wie vor der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland demonstriert.
Sollte dennoch eine Passagiermaschine auf eine Containment-Kuppel stürzen und diese voll treffen, besteht immer noch keine direkte Gefahr für den Reaktor. Sehr eindrucksvoll belegt das ein in den USA durchgeführte Versuch mit dem Aufprall eines Militärjets auf eine meterdicke Betonwand (Containment-Segment) mit 800km/h. Bei dem verwendeten Jet, einer Phantom II, handelt es sich um den schwersten Jagd-Bomber der NATO, der wesentlich massiver und damit auch stabiler ist, als ein Passagierflugzeug. Die Betonwand wurde bei diesem Versuch nur um 10 bis ca. 30 cm “angeknabbert“. Der 30-cm-Abtrag erfolgte an den Stellen, wo die beiden massiven Turbinenwellen auf die Wand auftrafen.

Quelle: Dr. Ludwig Lindner (www.buerger-fuer-technik.de und www.Energie-Fakten.de)

Sicherheit der Beseitigung radioaktiver Abfälle:
Mit Gorleben hat Deutschland im Salzstock einen bestens geeigneten Endlagerstandort für radioaktiver Abfälle.
Der Salzstock existiert in seiner heutigen Gestalt bereits seit über 100 Millionen Jahren, weil er keinen Kontakt zu Süßwasser hat. Denn das Grundwasser in der Umgebung des Salzstockes ist eine Sole, also eine gesättigte Salzlösung, welche kein Salz mehr zu lösen vermag. Der Salzstock ist somit durch eine ruhende “Sole-Mantel-Barriere“ und zusätzlich durch wasserundurchlässige Tonschichten vor einer Auflösung geschützt.
Selbst wenn keine Subrosion (Lösung) des Salzes am Top des Salzstockes stattfindet, bedeutet das eine natürliche Hebung der Salzstock-Oberfläche von nicht mehr als 10 bis 20 m in einer Million Jahre. Wird diese Hebung durch Subrosion ausgeglichen, würde es hochgerechnet etwa 10 bis 100 Millionen Jahre dauern, bis die etwa 500 m mächtige Salzbarriere zwischen dem Salzspiegel und dem in Erkundung befindlichen Endlager abgelaugt wäre.
Um diese gewaltige Zeitspanne richtig bewerten zu können, sollte man bedenken, dass für die sichere Abschirmung der hochradioaktiven Abfälle (HAW) von der Biosphäre ein Zeitraum bis zu 100.000 Jahre gefordert wird. Das ist ein Zeitraum, der für menschheitsgeschichtliche Voraussagen unsinnig ist.
Der Salzstock ist wie weltweit kaum ein anderes Endlager-Projekt geologisch und hydrogeologisch weitgehend sehr sorgfältig erkundet. Anstatt die Eignung durch weitere Erkundung abschließend zu bestätigen oder aber gegebenenfalls zu verneinen, wurde sie willkürlich unterbrochen. Eine solche Verschwendung von Finanzmitteln und hochqualifizierten Arbeitskräften ist unverantwortlich.

Quelle: Prof. Dr. Ing. Dipl. Geologe, Gert Michel, Dannenberg, ehem. Abteilungsleiter im Geologischen Landesamt NRW in einem Leserbrief Elbe-Jeetzel-Zeitung 21.09.2004.
Prof. Michel ist außerdem seit Jahrzehnten Hydrogeologe von unangefochtenem nationalem und internationalem Rang.

Wirkungen niedriger Strahlendosen:
E
s ist wissenschaftlich belegt: Oberhalb einer Dosis von 200mSv ist ein zunehmendes Krebsrisiko messbar, wenn die Dosis in kurzer Zeit wie z. B. im Augenblick der Atombomben-Explosion einwirkt. Das zusätzliche Risiko wird mit 5% pro Sv angegeben, d. h. wenn 100 Personen mit je 1Sv bestrahlt werden, ist mit 5 zusätzlichen Krebsfällen zu rechnen. Ausgehend von diesen Beobachtungen werden heute im Strahlenschutz zwei Annahmen gemacht.
1. Es wird postuliert, dass dieses bei hohen Dosen beobachtete Risiko auch bei kleinen Dosen existiert. So wird angenommen, dass bei der 1000-fachen Personenzahl (also 100 000 Personen) mit je der 1000-stel Dosis (also 1mSv) ebenfalls 5 zusätzliche Krebsfälle die Folge sind. Diese Annahme ist gleichbedeutend mit einer Extrapolation obiger Messkurve zum Ursprung, also in einen Bereich, wo grundsätzlich keine Messung mehr möglich ist. Man spricht von der LNT-Hypothese (Linear-No-Threshold).
Vergleich mit Alkohol: 1 l reinerAlkohol in einer Stunde von einer Person getrunken ist tödlich. Wenn 1000 Menschen je 1 cm3 Alkohol trinken, dann macht das gar nichts.
2. Es wird ignoriert, in welcher Zeit die Strahlendosis einwirkt. Einer über die lange Zeit von einem Jahr einwirkenden Dosis wird das gleiche Risiko 5% pro Sv zugerechnet, wie es bei den Überlebenden als Folge der Kurzzeitdosis gefunden wurde. Dabei, dass bei allen Einwirkungen auf einen lebenden Organismus, sei es nun ionisierende Strahlung oder auch Licht, seien es Chemikalien wie Alkohol oder andere Kanzerogene oder seien es dem Körper zusetzende Bakterien oder Viren immer die Dosis pro Zeiteinheit maßgeblich ist. Wenn das Immunsystem des Körpers gefordert wird, ist es für die Wirkung auf den Organismus wichtig, in welcher Zeit die Dosis zugeführt wird: Je größer die Zeit ist, in der eine Einwirkung geschieht, desto besser kann das Immunsystem einen Schaden abwehren. Besonders deutlich wird bei den später zu behandelnden Punkten Sonnenlicht und Alkohol.

Quelle: Dr. Lutz Niemann (www.Buerger-fuer-Technik)

Erbliche Strahlenwirkungen:
Durch die Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki wurde die Menschheit leider in die Lage versetzt, Abschätzungen über erbliche Strahlenschäden bei großen Bevölkerungsgruppen treffen zu können. Heutige Forschungen über genetische Langzeitschäden zeigen jedoch ein weniger dramatisches Bild, als noch in den 60er und 70er Jahren. Man kann heute belegen, dass der menschliche Reparatur-Mechanismus bei genetischen Schäden wesentlich effizienter arbeitet, als ursprünglich angenommen. Kumulierte Schäden bei der Kinder- und Kindes-Kinder-Generation der Opfer konnten nicht beobachtet werden.

Quelle:
http://www.energie-fakten.de/html/hiroshima-nagasaki.html

www.Buerger-fuer-Technik.de / mailto:Goering.Eckehard@VDI.de