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Vollversorgung mit grünem Strom? Dr. Lutz Niemann und Dr. Ludwig Lindner vom 28.01.2008 www.buerger-fuer-technik.de
Laut Bericht in den VDI-Nachrichten [1] wurde der Nachweis erbracht, dass eine Vollversorgung mit grünem Strom möglich ist. An dieser Frage entzündete sich schon manchen Diskussion. Während die Kernkraftbefürworter davon sprachen, dass die Sonne unter geht, der Wind Flaute hat und die Biomasse wegen der Notwendigkeit der Ernährung der Bürger nicht ausbaufähig sei, sprach die Gegenseite davon, dass man ja nur ein “intelligentes“ Energieversorgungssystem aufbauen brauche, dann ginge es schon [2]. Nun also soll der Beweis für das ganze Jahr im Maßstab 1 : 10 000, also für 8000 Bürger, geführt sein. Eine “kluge“ Kombination der verschiedenen Beiträge soll das ermöglichen, genannt wurden dazu Windräder (61%), Solarstromanlagen (14%), Biomasseverstromung (25%) und Pumpspeicherkraftwerke (ohne %-Angabe). Die Anpassung von Bedarf und die Möglichkeiten der Kraftwerke machte ein Rechner in Kassel, und betreut wurde das Projekt von den Herren F. Asbeck, A. Wobben und U. Schmack, also denjenigen, die Wind-, Sonne- und Biomasseanlagen bauen und vertreiben. Genaueres über die Art der “klugen“ Kombination war aus den VDI-Nachrichten nicht zu erfahren, dort sind Phantasiekurven gezeigt. Eine bessere Darstellung fand sich im Focus [3] mit exakter und lesbarer Darstellung über eine ganze Woche.
Es ergeben sich Fragen:
- Windstrom lieferte 2006 mit 30 Mrd. kWh ca. 5% Beitrag zur Stromversorgung. Um 61% zu erreichen, also um mindestens eine Verzehnfachung zu schaffen, muss auch die Zahl der Windräder verzehnfacht werden, an Stelle der 20 000 heutigen Windräder sind 200 000 Windräder zum Preis von insgesamt rund 300 Mrd. EURO notwendig.
Wo sollen diese Windräder stehen? Wer soll das bezahlen?
- 25% des Stromes durch Biomasse bedeutet den Einsatz der gesamten Ackerfläche in Deutschland für die Energieerzeugung und noch zusätzlichen Import von Biomasse.
Soll unser Land wirklich auf die Erzeugung von Lebensmittel verzichten?
- Die sich über eine Woche erstreckenden Darstellungen im Focus zeigen nur Sonnentage, das gibt es bei uns nur in Ausnahmefällen und nicht im ganzen Jahr, oder soll das durch ein neues Gesetz erreicht werden?. 14% Solarstrom verlangt eine installierte Leistung von 100 000 MW, diese kosten rund 600 Mrd. EURO.
Wer soll das bezahlen?
- Der aus dem Focus abzulesende Beitrag von Pumpspeicherkraftwerken ist in Deutschland nicht vorhanden. Pumpspeicherkraftwerke werden zur Überbrückung weniger Stunden gebaut, denn mehr ist nicht vonnöten. Um 48 Stunden zu überbrücken, müssten die Kapazitäten vervielfacht werden.
Wo soll das geschehen? Sollen neue Gebirge in Deutschland gebaut werden?
- Die Nachprüfung der im Focus dargestellten Windstromeinspeisung vom 19.04.2006 bis 25.04.2006 mit der tatsächlichen im Internet nachzuschlagenden Einspeisung zeigte keine Übereinstimmung.
Woher stammen die Kurven zur Windstromeinspeisung?
- Das Wochenende ist gekennzeichnet durch niedrigeren Gesamtstromverbrauch. Der niedrigere Stromverbrauch fällt nach den Darstellungen in FOCUS aber auf einen Montag und Dienstag.
Wurde da wie beim VDI nur eine x-beliebige Phantasiekurve veröffentlicht?
Die behauptete Vollversorgung mit grünem Strom ist in Deutschland nicht möglich. Wind, Sonne, Biomasse und Speicherkraftwerke können die Grundlastversorgung durch Kernenergie und Braunkohle nicht ersetzen.
Eine neue Möglichkeit der Vollversorgung mit grünem Strom fand die Stadt Kassel, indem der Strom umetikettiert wird 4, 5. Es ist nach dem “Renewable Energy Certificate System“ (RECS) völlig legal, wenn man den normalen Strom mit einem neuen Schild “grün“ versieht, solange nur an anderer Stelle ein anderer das umgekehrte macht, nämlich grünen Strom mit dem Schild “normal“ versieht. Das ist zudem billig, es kostet nur 0,05ct/kWh. Eine geniale Idee, umgesetzt für ganz Deutschland würde das nur 250 Mill. EURO kosten. Viel billiger als EEG und KWKG zusammen, die unsere Volkswirtschaft schon heute um die 10 Mrd. EURO pro Jahr kosten. Und wir könnten die Kernkraftwerke behalten. Sicherlich würde sich schnell jemand finden, der die aus diesem Ablasshandel stammenden 250 Mill. EURO "zum Nutzen aller" verwertet.
Es ist an der Zeit, zur Wahrheit zurück zu kehren. Der Klimabeauftragte der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Herr Prof. Konrad Kleinknecht, schrieb in seinem Buch “Wer im Treibhaus sitzt“ gleich zu Beginn ein deutliches Wort: “Wir leisten uns eine verlogene Debatte...“ – da hat er recht. Die Erde ist so groß, es leben so viele Menschen auf ihr, da sind peanuts fehl am Platze, klotzen statt kleckern ist das Gebot der Stunde. Die 17 Kernkraftwerke sind für die Welt ein Mosaiksteinchen, für unser Leben in warmer Stube aber unersetzlich. Die andere Möglichkeit wie es Österreich macht – Strombezug von den Kernkraftwerken des Nachbarn, aber nur nicht drüber reden – ist Selbstbetrug, eines Tages wird es die Sonne an den Tag bringen.
[1] VDI-Nachrichten vom 19.10.07 ”Eine Vollversorgung mit grünem Strom ist machbar“ und Pressemitteilung der Schmack Biogas AG vom 9.10.2007
[2] Vortrag von Staatssekretär Michael Müller in Holzkirchen am 23.8.2006
[3] FOCUS vom 24.9.2007 ”Sichere Versorgung mit Alternativstrom“
[4] Der Spiegel vom 7.1.2008 ”Mogelpackung Ökostrom“
[5] Kurzinfos 239/1 unter www.buerger-fuer-technik.de
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