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Wiederaufbereitungsanlage ...

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Bericht von Dr. Ludwig Lindner zur
Exkursion des VAA-IWT (VAA Interessenkreis für Wissenschaft und Technik) zur Wiederaufbereitungsanlage der COGEMA in La Hague - www.iwt-vaa-marl.de

Im Rahmen einer mehrtägigen Exkursion in Nordfrankreich vom 21.- 27.06.2003 fand auch eine ganztätige Besichtigung der Wiederaufbereitungsanlage der COGEMA in La Hague statt.

Die eintägige Besichtigung dieser komplexen Anlage mit deutscher und englischer Führung war sehr informativ und beeindruckend. Die Werkführer haben uns sehr sachkundig die komplexen Verfahrensschritte anschaulich und verständlich erläutert. Von den Führern wurde bedauert, dass so selten deutsche Gruppen zur Anlagenbesichtigung kommen.
Unter dem Eindruck dieser Besichtigung kann man nur bedauern, dass diese Hochtechnologie in Wackersdorf nicht zum Einsatz kam.

Mitglieder KTG-Fachgruppe ”Nutzen der Kerntechnik" aus Marl unternahmen gemeinsam mit
Mitgliedern des “VAA-Interessenkreises für Wissenschaft und Technik in Marl" im Juni 2003 eine Exkursion zur Wiederaufbereitungsanlage für bestrahlte Brennelemente der COGEMA in La Hague in der Normandie.

COGEMA gehört zu 74 % dem franz.Staat. COGEMA betreibt neben anderen Anlagen die Wiederaufbereitungsanlage in La Hague, deren Umsatz 2001 1,8 Mrd Euro betrug.

In La Hague können in 2 Anlagen abgebrannte Brennelemente aus 90 bis 100 Kernkraftwerken aufgearbeitet werden. Nach 3 Jahren Abklingzeit für die Radioaktivität in Wasserbecken werden von den Brennelementen fernbedient hinter Betonabschirmungen der Kopf- und Fußteil abgeschnitten. Die einzelnen Brennstäbe mit einer Zirkonlegierung als Hüllmaterial mit den darin enthaltenen zylindrischen "Pellets" (ca. 1 cm Durchmesser mit 1 % U-235, 1 % Plutonium, 3 % Spaltprodukten) werden dann in 35 mm lange Stücke zerschnitten. Mit Salpetersäure werden dann die Pellets aufgelöst, die Zirkonhüllrohre bleiben zurück.
Aus der salpetersauren Lösung werden Uran- und Plutonium mit einem organischen Extraktionsmittel (Tributylphosphat - TBP) abgetrennt. Uran und Plutonium werden nach zahlreichen Verfahrensschritten voneinander getrennt.
Die Spaltproduktlösung wird nach 1-jähriger Zwischenlagerung eingedampft, die Spaltprodukte werden dann mit Glasperlen zu einer festen Glasmatrix bei ca. 1100 Grad eingeschmolzen und in Stahlbehälter eingefüllt. Jeder Stahlbehälter enthält 340 kg Glas und 60 kg Spaltprodukte.
Die Hüllen und Endstücke der Brennelemente werden zur Volumenreduzierung zusammen-gepreßt und auch in Stahlbehälter eingeschweißt.

Alle Produkte werden an die Anlieferer zur weiteren Verwendung zurückgegeben. So verbleibt kein Material aus den angelieferten Brennelementen in La Hague.

Das Abwasser wird nach weiterer umfangreicher Behandlung und Kontrolle ins Meer abgegeben.

Die beim Zerlegen und Auflösen des Kernbrennstoffes anfallende Gasfraktion wird aufwändig gereinigt und nach Kontrolle über einen 100 m hohen Kamin in die Luft abgeleitet.

Alle Abgaben von Radioaktivität an die Luft und über das Wasser an die Umwelt werden kontinuierlich mit On-line-Messungen überwacht und zusätzlich mit mehr als 100 Messungen und Analysen pro Tag kontrolliert und von den Behörden überwacht. Sie liegen deutlich unter den zugelassenen Grenzwerten.
Zusätzlich zu den direkten Messungen von Wässern und Abluft und Meßstellen in der Umgebung der Anlage werden Milch, landwirtschaftliche Produkte, Fische, Krebse, Muscheln, Austern und Algen, Sedimente und auch unterirdische Wasserströme, Bodenproben und das Meerwasser aus der Umgebung der Anlage ständig kontrolliert.
Die Auswirkungen der Wiederaufbereitungsanlagen von La Hague auf die Umwelt summieren sich auf nur 1 % der natürlichen Radioaktivität dieser Gegend, entsprechend 0,03 mSv/Jahr. Zum Vergleich: die natürliche Radioaktivität in Frankreich beträgt (wie auch in Deutschland) 2,4 mSv/Jahr (mit regionalen Werten zwischen 1,5 und 6 mSv/Jahr).

In der Gesamtanlage mit einer Fläche von 300 Hektar 25 km westlichvon Cherbourg, an der äußersten Spitze der Halbinsel Cotentin, arbeiten 5.500 Menschen, davon 50 % in Fremdfirmen. Für die Region bedeutet dies 10.000 Arbeitsplätze. Die Anlagen werden fernbedient von zentralen Leitständen aus betrieben, die gesamten Anlagen einschließlich Rohrleitungen sind redundant, d.h. mehrfach parallel ausgeführt.
Die Anlagen sind zu 65 % mit Brennelementen aus franz. Kernkraftwerken ausgelastet, ansonsten liefern außer Deutschland weitere europäische Länder und auch Japan abgebrannte Brennelemente an. Künftig hofft man auf Anlieferungen aus Forschungsreaktoren und Atom-U-Booten.
Die Stahlbehälter mit den verglasten Spaltprodukten werden in Castorbehältern - für Deutschland nach Gorleben - zurückgeliefert, die Wärmeleistung beträgt 40 kW, die Oberflächentemperatür liegt bei 45 o C, wie wir uns durch Handauflegen überzeugen konnten.
Das an die Eigentümer zurückgegebene Plutonium ist als Kernbrennstoff geeignet. So werden in Frankreich 28 der 57 Kernkraftwerke mit MOX-Brennelementen (Gemisch aus Uran- und Plutonium-dioxid, 93 % abgereichertes Uran, 7 % Plutonium) bestückt.

Zum kulturellen Teil dieser 7-Tage-Exkursion in Nordfrankreich gehörten neben den landschaftlichen Schönheiten dieser Gegend in Calais vor dem Rathaus die Plastik von Rodin "Bürger von Calais", in Fécamp die ehemalige Abtei der Benediktiner und jetzige Likörfabrik, Caen, in dessen Abteikirche Saint Etienne Wilhelm der Eroberer begraben ist, Bayeux mit dem berühmten 70 m langen Wandteppich, der über Wilhelm, den Eroberer Englands, und die handelnden Personen berichtet, der majestetische Mont St. Michel im Wattenmeer und Rouen, wo Johanna von Orleans verbrannt wurde, mit seiner berühmten Kathedrale. Zum Programm gehörten auch der Besuch einer Austernfarm und einer Cidrefabrik und natürlich die gute französische Küche.
Bedrückend waren die Aufenthalte auf dem deutschen und amerikanischen Friedhof mit den vielen jungen Soldaten, die auf beiden Seiten bei der Landung der Alliierten 1944 gefallen sind und auch der Besuch des sehr objektiven und realistischen Museums in Peronne an der Somme über den Stellungskrieg im 1.Weltkrieg.
Den Abschluß der Exkursion bildete eine Stadtbesichtigung in Mons/Hennegau in Belgien, einer Gegend, in der noch bis vor 30 Jahren Kohlebergbau betrieben wurde.

Ludwig Lindner (veröff. 2009 04)